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Lösungsorientierte Gesprächsführung

Lösungsorientierte Arbeit beginnt bei dem, was die Person verändern möchte. Statt die Fachperson zur Expertin für das Leben eines anderen Menschen zu machen, werden gewünschte Veränderungen, hilfreiche Ausnahmen und erreichbare nächste Schritte gemeinsam beschrieben. Eine Ausnahme ist ein Moment, in dem etwas weniger schwierig war. Sie ist keine Aufforderung, belastende Umstände schönzureden.

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Hintergrund und Entwicklung

Berg und de Shazer entwickelten den Ansatz mit ihrem Team Anfang der 1980er-Jahre in Milwaukee. Der Blick richtet sich auf die gewünschte Zukunft, Ausnahmen vom Problem und bereits gelingende Schritte.

Wann eignet sich diese Methode?

Wenn eine Person ein eigenes Ziel beschreibt und einen machbaren nächsten Schritt sucht. Motivierende Gesprächsführung ist eher passend, wenn zunächst widersprüchliche Wünsche zur Veränderung im Mittelpunkt stehen.

Praxis und Anwendung

Fragen Sie nach einem konkreten Zeichen im Alltag: Woran würde die Person merken, dass sich etwas verbessert? Suchen Sie erst danach nach einer passenden Erfahrung. Prüfen Sie gemeinsam, welche Bedingungen damals geholfen haben und ob sie heute erreichbar sind.

Gesprächsablauf

Vereinbaren Sie das Anliegen. Erfragen Sie eine konkrete Situation, in der es etwas besser war. Lassen Sie die Person beschreiben, was sie selbst oder andere dabei getan haben. Nutzen Sie eine Skala nur, wenn sie verständlich ist. Fragen Sie nach einem beobachtbaren kleinen Unterschied, nicht nach einer perfekten Lösung.

Durchführung

Zuerst das Anliegen hören. Nicht mit einer Zukunftsfrage über eine aktuelle Not hinweggehen. Nach einer konkreten erwünschten Alltagssituation fragen. Gemeinsam eine Ausnahme suchen, ohne daraus eine Pflicht zum Gelingen abzuleiten. Den nächsten Schritt freiwillig und überschaubar halten.

Hinweise für die Gesprächsführung

Ein Ziel, das der Person gehört

Fragen Sie nach einer Situation, die sich aus Sicht der Person verändern soll. Prüfen Sie, ob das Ziel selbst gewählt oder von einer Behörde, dem Team oder Angehörigen erwartet wird. Ein fremder Auftrag und ein eigener Wunsch können nebeneinanderstehen. Machen Sie diesen Unterschied verständlich.

Ausnahmen genau verstehen

Wenn die Person einen hilfreichen Moment nennt, bleiben Sie bei dessen Einzelheiten. Wer war dabei? Was war verfügbar? Was machte die Person selbst? Fragen Sie ebenso nach Unterstützung, Geld, Zeit und Zugang. Eine Ausnahme ist kein Beweis dafür, dass jemand eine Schwierigkeit jederzeit überwinden könnte.

Einen Versuch vereinbaren

Lassen Sie die Person beschreiben, woran ein kleiner Fortschritt erkennbar wäre. Klären Sie, welcher Teil in ihrem Einfluss liegt und welchen Anteil andere übernehmen müssen. Vereinbaren Sie einen Versuch statt einer Erfolgspflicht. Beim Rückblick fragen Sie auch, was den Versuch erschwert hat.

Praxisbeispiel

Ein Erwachsener möchte wieder verlässlich zu Terminen erscheinen. Statt sofort einen Wochenplan vorzugeben, fragen Sie: «Wann hat es zuletzt etwas besser geklappt?» Die Person nennt einen Termin, an dem ein Freund sie erinnert hat. Fragen Sie nach: «Was hat diese Erinnerung möglich gemacht, und was davon wäre für den nächsten Termin erreichbar?» Vereinbaren Sie einen einzelnen Versuch mit Zustimmung des Freundes.

Fachliche Einordnung

Eine Ausnahme liefert Hinweise auf hilfreiche Bedingungen, keinen Beweis für jederzeit verfügbare Willenskraft. Fragen Sie beim Rückblick nach dem Versuch und nach Hindernissen. Ein verpasster Termin ist Information, kein persönliches Versagen.

Quellen

Passende Praxismaterialien