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Motivierende Gesprächsführung

Motivierende Gesprächsführung unterstützt Menschen dabei, eigene Gründe für und gegen eine Veränderung zu erkunden. Ambivalenz bedeutet, dass unterschiedliche Wünsche gleichzeitig bestehen. Das ist ein verständlicher Ausgangspunkt, kein Widerstand, der überwunden werden muss. Die Fachperson hört zu, spiegelt und unterstützt eine selbstbestimmte Entscheidung.

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Hintergrund und Entwicklung

William R. Miller stellte Motivational Interviewing 1983 vor. Stephen Rollnick entwickelte den Ansatz mit weiter. Ausgangspunkt sind Gespräche über Veränderung, in denen Rat und Überzeugungsversuche allein nicht weiterhelfen.

Wann eignet sich diese Methode?

Wenn eine Person Gründe für und gegen Veränderung benennt. Ziel ist ihre eigene Entscheidung. Eine konkrete Zukunft und nächste Schritte werden erst vertieft, wenn eine Veränderung für sie selbst sinnvoll erscheint.

Praxis und Anwendung

Offene Fragen, anerkennende Rückmeldungen, reflektierendes Zuhören und Zusammenfassungen gehören zu den Grundfertigkeiten. Fragen Sie vor einem Rat, ob Informationen erwünscht sind. Eine Planung folgt erst, wenn die Person sie möchte.

Gesprächsablauf

Bitten Sie um Erlaubnis, das Thema anzusprechen. Erkunden Sie beide Seiten der Gewohnheit, ohne die Vorteile kleinzureden. Spiegeln Sie Aussagen und lassen Sie Korrekturen zu. Fragen Sie vor Informationen nach Einverständnis. Klären Sie am Ende, ob die Person weiter nachdenken oder bereits etwas erproben möchte.

Durchführung

Das Gesprächsthema gemeinsam vereinbaren. Beide Seiten der Ambivalenz würdigen. Aussagen spiegeln und rückfragen, ob Sie richtig verstanden haben. Informationen erst nach Einverständnis anbieten. Ein Plan folgt nur, wenn die Person ihn möchte.

Hinweise für die Gesprächsführung

Beide Seiten hören

Lassen Sie die Gründe für Beibehaltung und Veränderung nebeneinanderstehen. Wenn Sie nur Vorteile einer Veränderung sammeln, wird aus Erkundung schnell Überredung. Spiegeln Sie beide Seiten in einer kurzen Zusammenfassung und fragen Sie, ob die Person sich darin wiedererkennt.

Information mit Erlaubnis anbieten

Fragen Sie zuerst nach dem vorhandenen Wissen und dem Informationswunsch. Bieten Sie eine überschaubare Information an, wenn die Person zustimmt. Fragen Sie anschliessend, welche Bedeutung diese für ihre Situation hat. Eine Information ist kein Auftrag, Ihrer Empfehlung zu folgen.

Planung nicht vorziehen

Prüfen Sie vor einem Handlungsplan, ob die Person überhaupt einen Schritt erwägt. Ein Gespräch darf mit einer klareren Frage enden. Wenn sie planen möchte, lassen Sie sie eine eigene Möglichkeit nennen und klären Sie Unterstützung und Zuversicht. Bei Unsicherheit kehren Sie zur Erkundung zurück.

Praxisbeispiel

Eine Person sagt: «Ich will weniger trinken, aber der Abend ohne Alkohol macht mir Angst.» Spiegeln Sie beide Seiten: «Sie möchten morgens klarer sein, und zugleich ist Ihnen die Entlastung am Abend wichtig.» Fragen Sie um Erlaubnis, beide Seiten anzuschauen. Danach: «Was würde sich für Sie verbessern, und was befürchten Sie zu verlieren?» Fassen Sie die eigenen Gründe der Person zusammen. Erst wenn sie bereit ist, besprechen Sie einen nächsten Schritt und fachliche Unterstützung.

Fachliche Einordnung

Drängen, Gegenargumente und ungefragte Ratschläge können die Verteidigung des bisherigen Verhaltens verstärken. Besprechen Sie medizinische Risiken nicht als Selbsthilfeexperiment; bei möglicher Abhängigkeit gehört die Veränderungsplanung in geeignete fachliche Begleitung.

Quellen

Passende Praxismaterialien